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Welchen Teil meiner Geschichte müsste ich hierzu aufgeben?

Für diesen Blogartikel spielte jemand den Muserich (das sind männliche Musen), der mich über Wochen davon zu überzeugen versuchte, dass er nicht kann, was er kann. Und er schenkte mir die Erkenntnis, dass ich kann. Danke, C., für dies und noch so unendlich viel mehr.

Wenn Veränderung wirklich dynamisch wird, stellt sie alles in Frage.

Stell dir vor, du wärst morgen Millionär. Du denkst vielleicht erst einmal: Ja, das wäre doch super, dann kann ich endlich meine Schulden abbezahlen und auf einer Insel wohnen.

Doch wenn morgen jemand mit dem Geldkoffer käme, wie lange bräuchtest du, um das wirklich als Realität anzuerkennen? Wie sehr wäre das eine Unterbrechung von dem, was du über das Leben glaubst? Wie eine Schallplatte, die du immer und immer wieder abgespielt hast – und die plötzlich hängt.

Da ist der Geldkoffer.

UND JETZT?

Mir ging es einmal ähnlich. Ich hatte mir 35.000 Euro durch eine Erbschaft kreiert. Ich lag erst mal zwei Wochen krank im Bett und dann bin ich das Geld so schnell wie möglich losgeworden. Geld zu besitzen passte nicht in meine Realität. Und wie könnte ich mit diesem Geldbetrag die Geschichte vom armen Mädchen, das sich durchs brutale Leben kämpfen muss, aufrechterhalten?

Damals war mir nicht bewusst, was ich tat, als ich das Geld in Rekordzeit wieder loswurde. Erst so nach und nach sickerte in mein Gewahrsein, dass ich noch nicht bereit war, solch einen großen Geldbetrag zu empfangen – und zu besitzen.

Vom Mindset zum No-Mindset

Viele Menschen sagen dir: Ja, du brauchst, um mehr Geld zu haben, ein anderes Mindset. Ich sage: Ich brauche ein No-Mindset. Im Sinne von: gar keinen Verstand. Denn der Verstand ist es, der die Geschichten aufrechterhält. Und einfach eine Geschichte vom armen Mädchen aus der Vergangenheit durch eine fiktive neue Geschichte vom reichen Mädchen zu ersetzen, funktioniert für mich nicht.

Ich mag es lieber schnell. Warum lang und mühselig eine neue Geschichte installieren (während ich ja gleichzeitig noch die alte Geschichte glaube, denn sonst würde ich sie ja nicht überschreiben wollen), wenn ich auch einfach ganz aufhören kann, mir Geschichten zu erzählen?

Uuups.

Die Vergangenheit als Quelle für die Zukunft – und was ist darüber hinaus möglich?

Ich mag es nicht nur schnell, sondern auch einfach. Ich bin nämlich faul. Strunzfaul. Für mich hat sich die Unwilligkeit, mir etwas Neues anzutrainieren, als großer Glücksfall erwiesen. Denn um glücklich zu sein, muss ich in meinem Kopf nichts Neues aufbauen, ich muss nur das Alte fallenlassen. Plumps.

Und dann öffnet sich der Raum für Neues, das ganz anders aussehen darf als die Bilder meiner Vorstellungskraft. Denn die Bilder meiner Vorstellungskraft stammen woher? Genau, auch aus dem Verstand. Und woher zieht der Verstand seine Informationen? Genau, aus der Vergangenheit.

Wie willst du eine Zukunft kreieren, die über die Vergangenheit hinausgeht, wenn du die Vergangenheit dazu benutzt, um diese Zukunft zu erschaffen?

Ich mag Abkürzungen, ich mag es schnell & schmutzig. Ich lasse gerne alles fallen. Von der schmutzigen Wäsche bis hin zu alten Geschichten.

Was wäre, wenn ich mir diese Geschichte nicht mehr erzählen würde? Ob es meine Geschichte vom armen Mädchen ist oder deine Geschichte von was-auch-immer ist, wer wärst du ohne diese Geschichte? Was wäre, wenn du es wagen würdest, sie aufzugeben?

Was auch immer in deinem Leben geschehen ist – ich möchte nicht die Geschehnisse in Frage stellen. Sondern das, was du daraus abgeleitet hast. Du bist verletzt, vernachlässigt, ausgegrenzt, geschlagen, missbraucht worden. Ja. Es wäre eine Frechheit, wenn ich das in Frage stellen würde.

Mit der Geschichte meine ich etwas anderes.

Was ist eine Geschichte?

Die Geschichte entsteht aus den Schlussfolgerungen, die aus den Geschehnissen abgeleitet werden. Ich wurde geschlagen, also ist mit mir etwas falsch. Ich wurde vernachlässigt, also werde ich nie eine gesunde Beziehung führen können. Ich wurde missbraucht, also werde ich niemals wieder Vertrauen in Männer haben. DAS sind Geschichten.

Wir kreieren aus den Geschichten unser Leben: Denn wir werden ALLES tun, um zu beweisen, dass sie wahr sind. Wenn jemand dich ablehnt, wirst du sagen: „Ich wusste es! Das ist, weil ich damals … und es ist immer so! Ich habe keine Chance.“ Und so weiter, und so fort. Die Möglichkeiten, die dir ebenfalls präsentiert werden, wirst du ausschlagen. Sie passen ja eben nicht ins Bild.

Das ist wie die Frau, die mir jahrelang erzählte, sie wolle unbedingt Sex haben. Ich präsentierte ihr im Handumdrehen einen Mann, der mit ihr schlafen wollte. Sie hatte unfassbar viel an ihm auszusetzen. Und das musste sie auch – denn sie musste ja ihre Geschichte von Kein-Sex aufrechterhalten. Und nein, sie sollte natürlich nicht mit jemandem schlafen, den sie nicht attraktiv fand. Doch anstatt nach noch mehr Männern Ausschau zu halten, die sie begehrten, stürtzte sie sich auf das falsche Aussehen des einen, der ihr präsentiert wurde. Denn er stand für eine neue Möglichkeit. Die sie bekämpfte, um ihre Geschichte von „Ich finde niemanden, um mit ihm Sex zu haben“ aufrechtzuerhalten.

Wie sehr bekämpften wir neue Möglichkeiten, wenn sie uns nicht ins Weltbild passen?

Das machen wir alle. Ich mache das auch!

Doch für mich viel es wie Schuppen von den Augen, als mein Muserich (siehe oben) mir über Wochen erzählte, dass er etwas nicht könne. Und erst als ich nicht mehr versuchte, ihm neue Möglichkeiten zu zeigen, und einfach anerkannte, dass er seine Geschichte mehr liebt als alles andere auf der Welt, konnte ich Frieden damit machen. Ich musste erkennen, dass ich versucht hatte, ihm meinen optimistischeren Standpunkt aufzuzwingen. Was einfach auch arrogant ist. Für mich ist er ein Mahnmal, mich in Erlaubnis zu üben. Etwas, von dem ich weiß, dass es für mich nicht wahr ist, aber für den anderen, einfach mal so stehen zu lassen. Einfach der Raum zu sein für Veränderung, ohne sie erzwingen zu wollen. Ohne sie zu erwarten. Oder meine Zuneigung davon abhängig zu machen. In diesem Bereich darf ich noch viel lernen. Und ich bin dankbar für die Möglichkeit dazu.

Und ich bin auch froh, dass ich so deutlich vor Augen geführt bekomme, dass ich mir auch immer noch Geschichten erzähle! Es geht hier also nicht darum, den ersten Stein zu werfen, sondern mich inspirieren zu lassen von den Begrenzungen, die wir selbst wählen, um jemand zu sein. Der benachteiligte Junge. Das arme Mädchen. Das Opfer der Gesellschaft. Die Tochter meiner Eltern. Die verlassene Ehefrau.

Ich frage mich: Bin ich wirklich bereit, meine Geschichten aufzugeben und neue Möglichkeiten einzuladen, die weit über das hinausgehen, was ich als „mein Leben“ oder „meine Lebensgeschichte“ definiert habe?

Und für alles, was ich in meinem Leben kreieren möchte, stellt sich die große, GROSSE Frage:

Welchen Teil meiner Geschichte müsste ich hierzu aufgeben?

Die Geschichten aufzugeben ist die Voraussetzung für jede größere Veränderung. Da fängt es an, wirklich dynamisch zu werden. Da wird es wirklich beängstigend, denn ohne unsere Geschichte wird es uns Angst und Bange – wer sind wir, wenn wir alle bisherigen Ansichten loslassen, über die wir uns definiert haben, über die wir unsere Identität bezogen haben? Wo erzähle ich mir lieber eine Geschichte über das, was nicht möglich ist, anstatt einfach den Sprung ins Unbekannte zu wagen und mir zu erlauben, mit meiner bisherigen Sichtweise Unrecht zu haben?

Wann immer ich also von nun an etwas kreieren möchte, werde ich mich fragen: Welche Geschichten müsste ich aufgeben, um dies zu kreieren? Und bin ich wirklich bereit dazu?

Was wäre, wenn ich nie wieder erzählen könnte, dass ich nicht genug Geld für etwas habe?

Was wäre, wenn ich nie wieder erzählen könnte, dass mit meiner Beziehung etwas nicht in Ordnung ist?

Was wäre, wenn ich nie wieder erzählen könnte, dass ich unglücklich bin?

Bin ich wirklich bereit, das als meine Realität zu haben?

4 Responses
  • Beate
    3. August, 2017

    Liebe Saskia, es ist so wahr was Du schreibst! Und beim Lesen ist mir dann gleich mal meine eigene Geschichte wie Schuppen von den Augen gefallen: die gute Tochter, die alles kann, wenn sie nur will, die nichts braucht und von niemandem Geld verlangt – puhhhh! Ganz schön heftig so ein Scheiß! Jetzt möchte ich mich mal nicht bewerten dafür… und gerade merke ich wie das schwer ist! Ha, ist ja gar nicht mehr wahr was ich schreibe! Es ist meine Vergangenheit, die ich da hochhole! Danke für Deinen wirklich genialen Artikel!!! Mach bitte unbedingt weiter so, in Dir steckt noch so viel mehr als das !!!! Und jetzt kullern mir gerade die Tränen, weil ich das auch zu mir selbst sagen könnte und aus irgendeinem Grund immer noch nicht tue.

    • Saskia
      3. August, 2017

      Liebe Beate! Vielen Dank! Und ja, was wäre, wenn die Vergangenheit nicht mehr relevant wäre? Ich spiele gerne mit der Frage: Was wäre, wenn ich morgen Früh aufwachen würde und keine Vergangenheit hätte? Was wäre dann möglich für mich. Alles Liebe, Saskia

  • Petra kalt
    18. August, 2017

    Ja liebe Saskia das ist die wirkliche Wahrheit, ich kriege die Krise mit den dauernden Geschichten der Leute, die jammern aber nicht verändern wollen!
    Was darf ich anerkennen, mit kommt gerade vielleicht Punkte zu geben für ihre Geschichten… ok ich sage ich möchte sie nicht mehr hören??? Oh da kommt gerade.. dass ich hochnäsig bin… ok dann bin ich es halt.
    Wo sind die Menschen die mein Leben bereichern werden und gemeinsam etwas großes, leichtes, freudiges, wachsendes zu kreieren? Pod Poc

    Mach weiter liebe Saskia du bist super

    • Saskia
      18. August, 2017

      Danke!!! Ja, ich bin auch eine kaltherzige Person, wenn ich auf die Dramen anderer nicht mit einsteige 😉 Der Witz ist, sich in Erlaubnis zu üben, während man nicht mit einsteigt. Das fällt mir zugegebenermaßen auch oft schwer. Vor allem mein eigenes Drama wirkt oft verführerisch echt … uuuups. 😀 Wie viel Spaß können wir mit alldem haben? Und wie viel Freude können wir in die Welt bringen? Juhuuu!

Und du?

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