Möchtest du über Neuigkeiten informiert werden?

Aufschieberitis

Aufschieberitis

Sowas hast du nicht. Oder?

Was ist das? Diese Aufschieberitis. Es scheint sich dabei um eine ganz schlimme Art von böser Bazille zu handeln, die Arbeitnehmer genauso wie Selbstständige, Schüler wie Studenten befällt. Die Symptome? Chronische Unlust, ständiges Teekochen, gelegentliche Aufräum-Anfälle, Facebook-Wahn sowie WhatsApp- und Telefonitis. Gegen diese Krankheit scheint kein Kraut gewachsen. Was machen wir denn da nun bloß? Einfach Füße hoch und genießen?

Ja, das ist eine Möglichkeit.

Doch es gibt da noch etwas anderes.

Was weißt du über die Zukunft?

Kennst du das? Du schiebst etwas auf und auf und auf. Dann bewertest du dich dafür. Du bist wütend auf dich. Am liebsten würdest du dich selbst übers Knie legen. Zum Glück bist du dafür aber nicht gelenkig genug. Und dann passiert etwas! Du erhältst eine Information, die du unbedingt brauchst, um das noch eben erfolgreich zu Ende zu bringen. Du erfährst etwas, das von dir eine Richtungsänderung verlangt – und zum Glück hast du nicht zu Ende gebracht, was du so zwanghaft beenden wolltest. Denn jetzt kannst du noch ganz gemütlich wenden und geschmeidig weitermachen.

Denn was wäre, wenn dein Aufschieben manchmal gar keine Krankheit wäre – sondern ein Gewahrsein deiner Zukunft?

Hä? Was? Bin ich ein Orakel oder was?

Nein. Ich meine damit nicht, dass du fortan voller Wissbegierde eine Glaskugel polieren sollst. Sondern dass du ein Gespür für das hast, was notwendig ist. Zum Beispiel nimmst du wahr, dass irgendwas fehlt und du deswegen mit dem Projekt nicht weitermachen solltest. Aber du hörst nicht darauf. Stattdessen wunderst du dich, dass du es nicht durchziehst. Und fängst an, dich dafür schlechtzumachen.

Kommt dir das bekannt vor?

Also mir schon.

Meine häufigste Reaktion, wenn dann die benötigte Information kam: „Ich wusste es doch, ich dumme Kuh!“

Nun ja. Das ist natürlich keine Bewertung … räusper! 🙂

Clevere Beweisführung

Was noch hinter Aufschieberitis stecken kann? Etwas ganz besonders Schlaues. Denn wenn du Dinge aufschiebst, bei denen es nicht soooo übermäßig klug ist, sie aufzuschieben, dann machst du vermutlich Folgendes (aber prüfe immer für dich selbst, ob es für dich wahr ist!): Du beweist dir, dass du das Unmögliche schaffen kannst!

Niemand kann eine Bachelor-Arbeit in den letzten 6 Tagen vor der Abgabe schreiben. Oder?

Du wirst beweisen, dass du es kannst. Du wirst dabei jede Menge Aufputschmittel konsumieren, die mehr oder weniger legal sind, deinen gesamten Bekanntenkreis in Atem halten und die Leute im Copyshop beim Ausdrucken in den Wahnsinn treiben – aber du wirst es schaffen!

Niemand kann einen Tag, bevor die Miete fällig wird, noch mal schnell das Geld dafür auftreiben. Oder?

Du wirst beweisen, dass du es kannst. Du wirst Berge versetzen. Hunde sitten. Mit den Maulwürfen gärtnern. Leute beschwatzen. Vor der reichen Tante herumheulen. Nackt auf dem Bartresen tanzen. Du wirst viel Stress und viel Spaß haben – und einen ausgeglichenen Kontostand bei deinem Vermieter.

Niemand kann … ja, was kann niemand? Was beweist du dir? Und was glaubst du unterschwellig, wie unfähig du bist, dass du dir ständig solche Herkulesaufgaben gibst – und sie dann auch bewältigst? Wäre es nicht schöner, eine Zukunft für dich zu kreieren? Was wäre für dich möglich, wenn du nicht ständig irgendwas in letzter Minute fertigmachen müsstest?

Was vermeidest du?

Manchmal geht es auch um Vermeidung. Die meisten Leute werden vermutlich sagen, dass sie Angst vor dem Versagen haben. Ich glaube aber, dass sie Angst vor Erfolg haben.

Angenommen, das Buch, das du schreibst, wird dann doch gelesen. Ooooops. Was machst du denn dann mit dem ganzen Erfolg? Wenn du jetzt daran denkst, fühlt sich das wirklich so gut an? Oder eher ungewohnt? Nicht dass dich die Leute dann auf das Buch ansprechen. Und du zu Lesungen musst. Vor Publikum! Oh nein! Was sollst du denn dabei anziehen? Und was wenn die Presse kommt? Dann lieber nicht fertigwerden.

Oder angenommen, der Prinz steht dann doch vor der Tür. Ach du je. Was machst du denn jetzt (außer schnell die Beine zu rasieren)? Auf einmal ist es da, das ganze Glück. Und jetzt? Was wirst du deinen Single-Freundinnen sagen, wenn du auf einmal nur noch am Turteln bist? Wenn du in einer glücklichen Beziehung bist,  kannst du außerdem nie wieder sagen, dass alle Männer Arschlöcher sind! Das wäre aber auch zu schrecklich, nicht wahr?

Und das Geld! Die Leute werden dich alle beneiden, sie werden dich hassen und sich bei dir einschleimen. Schrecklich wird auch diese ganze Langeweile sein, wenn du nicht mehr dem Geld hinterherrennen musst. Eine halbe Stunde am Strand des von dir soeben erworbenen karibischen Inselparadieses und du wirst dir wünschen, wieder arm zu sein. Damit du etwas zu tun hast. Und vor allem Gesprächsthemen. Ich meine, reich macht einsam? Oder?

Aufschieberitis – ein spannendes Phänomen

Im Aufschieben bin ich Expertin. Ich habe das schon sehr oft gemacht. Und mal als Vermeidungsstrategie (nicht dass ich am Ende noch reich & berühmt werde, igitt – wer will denn sowas?), mal als Beweis dafür, dass ich mal eben schnell das Unmögliche möglich machen kann – und natürlich auch aus dem Gewahrsein, dass in der Zukunft noch ein Puzzleteil an den richtigen Platz fällt – natürlich während ich mich wie bekloppt dabei bewerte!

Was können wir tun?

Wir können Fragen stellen. Wenn du denkst, du schiebst auf, dann frage dich: Stimmt das wirklich? Oder weiß ich etwas über die Zukunft? Vermeide ich etwas? Oder versuche ich hier Superwoman zu spielen? Und welche anderen Möglichkeiten stehen mir jetzt zur Verfügung?

Danke fürs Lesen – und was ist jetzt für dich möglich?
Deine Saskia

PS: In einem Telecall über Aufschieberitis sind wir tief ins Thema eingetaucht. Du kannst die Aufzeichnung in meinem Shop kaufen, wenn du möchtest:

Wie geht es euch mit der Aufschieberitis? Schreibt gerne einen Kommentar. Oder schiebt es auf, bis dieser Blog verschimmelt ist 😉 es ist alles nur eine Wahl. Hihi.

Noch keine Kommentare.

Und du?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.